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Hamburger Kammerrebellen zu Gast bei UNOS

04.10.2017 Cathrin Waltl

Auf Einladung von UNOS waren am 28. September Annett Nack-Warenycia und Torsten Teichert vom Hamburger Kammer-Bündnis „Die Kammer sind WIR!“ im Rahmes des ersten UNOS Talk zum wechselseitigen Austausch mit UNOS-Bundessprecher Michael Schuster im NEOS Lab Wien.

In Hamburg haben sich 2014 einige wenige Unternehmer zusammengetan um die Hamburger Handelskammer zu reformieren. Drei Jahre und zwei Wahlen später haben sie bereits die Mehrheit und stehen vor der großen Chance – und Aufgabe – die Handelskammer Hamburg „aus dem Mittelalter zu führen“. Mit UNOS sprachen die Experten über ihre Erfahrungen und Learnings aus den letzten Jahren.

„Korruption und Nepotismus schaden dem Wohlstand. Nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch dem Wohlstand eines Landes. Kungeleifestigkeit und Wut auf Nepotismus sind die Grundvoraussetzung um ein System von Innen zu kapern. Wenn man dafür anfällig ist, sollte man es zwar auch versuchen, aber dann heißt man ja Herr Kurz.“, äußerte sich Torsten Teichert über (eigene) Beweggründe sich für das Aufbrechen des Systems zu engagieren – mit einem kleinen Seitenhieb auf die österreichische Innenpolitik.

Besonders spannend stellte sich auch ein wirtschaftlicher Vergleich heraus: Mit rund 133.000 Mitgliedern in der Wirtschaftskammer Wien und knapp 166.000 in der Handelskammer Hamburg, hängt der österreichische Verwaltungsapparat im Bereich Kosten den deutschen mit großem Vorsprung ab. Allein 44.729.410 Euro an Personalkosten für 787 Mitarbeiter jährlich stehen Ausgaben von 19.827.274 für 292 Angestellte gegenüber (Stand 2015). „Das ist so viel Geld, das ist eine Bank“, zeigte sich Annett Nack-Warenycia fassungslos über die herrschende Verschwendung.

Auch ein Gegenüberstellen der Erträge aus Kammer-Beiträgen – knapp doppelt so hohe Einnahmen in Wien als in Hamburg bei ähnlich hohen Mitgliederzahlen – zeigt deutlich, dass die Beiträge, die für österreichische Unternehmer aus der Zwangsmitgliedschaft resultieren, einen spürbaren Spielraum zur Senkung offen lassen.

Die Ergebnisse des Gesprächs bestätigen umso mehr die Notwendigkeit der Umsetzung von UNOS-Forderungen wie die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft, Reform der Gewerbeordnung und Transparenz der Finanzen der Interessensvertretung. „Das Beispiel aus Hamburg zeigt klar: eine Zeitenwende zu mehr Transparenz und weniger Verschwendung ist möglich.“, fasst UNOS-Bundessprecher Michael Schuster die Erkenntnisse des Abends zusammen. „Die Wirtschaftskammer gehört in ihren Gesamtstrukturen neu aufgestellt. Es braucht einen Kulturwandel, nur so ist eine echte Verbesserung für die Unternehmen machbar. Und das beinhaltet auch ein konsequentes Hinterfragen der Zwangsmitgliedschaft.“, so fordert er abschließend.

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